Warum Retrofotografie?

Die Bildsensoren werden immer besser. Eine Kamera schlägt die andere in Bezug auf Bildauflösung. Abbildungsfehler eines Objektivs können mit vordefinierten Entwicklungsvorgaben in Lightroom direkt korrigiert werden.

Alles wird besser, detaillierter und fehlerfreier. Mit einer System- oder Spiegelreflexkamera habe ich technisch alles im Griff. Durch den Sucher ermittle ich den absolut exakten Bildausschnitt. Das ist alles toll, aber…

Weniger Kontrolle – mehr Leben in den Bildern?

Für Smartphones gibt es schon seit einigen Jahr ein Retro-App. Für iPhone Hipstamatic, für Android-Phones das RetroCamera-App. Sechs kultige Fotomodelle zur Auswahl. Die Möglichkeit, in Farbe oder Schwarzweiss zu fotografieren. Sonst nichts.

Als ich das App ausprobierte, war ich begeistert. Das Einzige, was ich einigermassen beeinflussen kann, ist der Bildausschnitt. Alles andere ist irgendwie Zufall. Die Bilder sehen nie gleich auch, ich habe aber auch keine Kontrolle darüber, ob die Farben meines Motivs zur Geltung kommen. Und ich kann nicht einfach wahllos drauflosknipsen, weil die Entwicklung jedes Bildes eine ganze Weile dauert. Das natürlich nur virtuell.

Die Software lässt Algorhythmen über die Bildaufnahme laufen und produziert gewollt Unschärfen, Randabschattungen, Farbverschiebungen, Über- und Unterbelichtungen, Kratzer, Abbildungsfehler usw. Jedes Bild ist ein Unikat. Knipse ich ein gleiches Motiv mit gleichem Bildausschnitt ein zweites Mal, ist das Resultat trotzdem anders.

Das ist nicht nur retro, das ist Kult. Das ist Retrofotografie.

Camera obscura – Blende f/200 und 5s Verschlusszeit

Ähnlich habe ich das mit der Camera obscura erlebt. Als ich für meine Nikon D7000 einen Kameradeckel mit Bohrmaschine und Aluflolie zu einer digitalen Camara obscura umfunktionierte. Da sehen Sie kein Sucherbild mehr. Ich richte die Kamera auf einem Stativ ungefähr aus und belichte meist mehrere Sekunden lang. Ohne teure Linse.

Die Resultate gefallen mir. Da kommt wieder Leben in die Digitalfotografie. Nicht die Auflösung ist trumpf, sondern der Bildeindruck.

Da die digitalen Camera-obscura-Bilder aber immer noch viel zu perfektionistisch aussehen, stülpe ich im Entwicklungsprozess der RAW-Aufnahme einen analogen Fotofilter darüber. Das gibt dann noch mehr Pepp in die puristischen Fotos.

Mir gefallen die digitalen Bilder im analogen Look, eben im Retro-Look. Ich habe viel experimentiert. Mit der Zeit entwickelt man einen Blick für Motive, die sich für die Retrofotografie eignen. Da passt längst nicht alles und es ist nicht der Sinn, nun alle Digitalfotos in Retrofotografien umzuwandeln.

Die Bilder auf RETROFOTOGRAFIE.CH sind alle digital entstanden. In der Regel beschneide ich Bilder, die ich mit der Camera obscura geschossen habe, nicht. Der Charme der Lochkamera-Aufnahmen ist ja gerade der nicht ganz planbare Ausschnitt.

Ich wünsche Ihnen viel Spass beim Durchschauen der Bilder. Lassen Sie diese auf sich wirken, lassen Sie sich inspirieren. Und vielleicht haben Sie selber Lust, Retrofotografie auszuprobieren.

Viel Spass!

Christian Zangl

Auf RETROFOTOGRAFIE.CH präsentiere ich nur Bilder. Anleitungen und Tipps finden Sie in meinem Online-Fotokurs:

» Das RetroCamera-App vorgestellt

» Retro durch die Stadt

» Faszination Schwarz-Weiss-Fotografie

» CameraObscura mit der Spiegelreflex